Neuregelung der Prüfungsordnung

Der Allgemeine Teil der Prüfungsordnung und die Drei-Folgesemester-Frist

Wer sich über PABO für eine Modulprüfung angemeldet hat, für die*den tickt die Uhr: Wenn innerhalb von drei Folgesemestern die Prüfungsleistung nicht erfolgreich erbracht und deren Ergebnis beim Prüfungsamt eingegangen ist, trudelt der Exmatrikulationsbescheid ins Haus. Die Wiederaufnahme des Studiums ist dann bundesweit nicht mehr möglich.

Achtung: Es handelt sich hierbei nicht, wie häufig formuliert, um eine begrenzte Versuchsanzahl, sondern um eine zeitliche Frist. Wenn ihr diese verstreichen lasst, ist es völlig irrelevant, ob ihr überhaupt an einem Prüfungsversuch teilgenommen habt oder nicht.
Dieser Umstand ist vielen Studierenden nicht bewusst – die Aufklärung durch die Uni ist mangelhaft, teilweise werden Studis sogar fehlinformiert, weil Dozent*innen sich mit der Prüfungsordnung selbst nicht auskennen. Als einzige Möglichkeit, der Zwangsexmatrikulation zu entgehen und mehr Zeit zu bekommen, bleibt der Weg über den Prüfungsausschuss. Vor diesem muss mensch detailliert Auskunft darüber geben, welche Probleme zur Überschreitung der Frist geführt haben, sodass der Ausschuss dann über den weiteren Verlauf des Studiums richten kann. Studierende haben sich also dafür, in welchem Tempo sie studieren, vor der Uni zu rechtfertigen und sind dann von der individuellen Entscheidung des Ausschusses abhängig.

Dem Gedanken eines selbstbestimmten Studiums steht diese zeitliche Frist, sowie jede andere Form der Versuchseinschränkung radikal entgegen. Wann und wie oft Prüfungsleistungen abgelegt werden, sollte im Ermessen jedens*jeder von uns liegen, anstatt von einer Prüfungsordnung in einen starren Automatismus gepresst zu werden.

Wir sprechen uns gegen eine Uni aus, die vor allem arbeitenden Studierenden, Studierenden mit Behinderung, Kindern oder zu pflegenden Angehörigen sowie Studierenden mit Prüfungsangst weitere Steine in den Weg legt, anstatt sie zu fördern und ihnen den Weg zu ebnen. Fachliche oder persönliche Schwierigkeiten, die zum Nichtbestehen von Prüfungen führen, werden durch das Damoklesschwert „Zwangsexmatrikulation“ nicht gelöst, sondern durch den erhöhten Druck erheblich verschärft.

Ideengeschichte und Verhandlungsstand

Die Infragestellung der Beschränkung der Wiederholbarkeit von Prüfungen im Grundsätzlichen sowie ihre derzeitige Ausgestaltung an der Uni Bremen im Besonderen haben wir Ende des Sommersemesters 2016 auf die hochschulpolitische Agenda gesetzt. Der Akademische Senat (AS), das höchste beschlussfassende Gremium der Uni, spielte den Ball, statt umgehend eine Entscheidung zu treffen, in die Kommission für Studium, welche verschiedene Möglichkeiten einer Regelung der Prüfungsversuche im Allgemeinen Teil der Prüfungsordnung ausarbeiten und in die Januar-Sitzung des AS zurücktragen soll.

So gut wie alle Diskussionspartner*innen sind sich im jetzigen Verhandlungsstand darüber einig, dass der derzeitige Zustand nicht tragbar, sondern zu verändern ist.
Zur Debatte steht nun neben der Schadensbegrenzung im Falle eines Fortbestandes der derzeitigen Regelung drei Alternativen:

A2: Numerische Begrenzung auf drei Prüngsversuche ohne zeitliche Befristung und ohne automatische Anmeldung zum nächsten Versuch
Diese Regelung ist an den meisten Hochschulen der BRD üblich. Sie bietet – zeitlich gesehen – eine größere Flexibilität als die derzeitige Regelung, da mensch selbst den Zeitpunkt der Versuche bestimmen kann, stellt mit ihrer numerischen Versuchsbegrenzung jedoch noch immer dort Grenzen, wo es allein dem selbstbestimmten Subjekt zustünde, Grenzen zu setzen.

A3: Numerische Begrenzung auf drei Prüngsversuche mit automatischer Anmeldung zum nächsten Versuch
Diese Regelung galt an der Uni Bremen bis 2010 und wurde dann aufgrund ihrer mangelnden Praktikabilität von der jetzigen abgelöst.
Hier können einer*einem häufig angebotene Versuchsmöglichkeiten für Prüfungen sogar zum Nachteil gereichen. Aufgrund der automatischen Anmeldung hat mensch nach der ersten nicht bestandenen oder angemeldeten, aber nicht abgelegten Prüfung keine Möglichkeit, Versuchsangebote zu „überspringen“ – sollten zwei Prüfungsversuche im Semester angeboten werden, ann mensch also schon nach eineinhalb Semestern zwangsexmatrikuliert werden.

Der Akademische Senat soll am 14. Juni 2017 entscheiden, welche der Alternativen umgesetzt werden soll. Kommt ab 10:00 Uhr alle in den Raum GW2 B3009 und zeigt Interesse und Solidarität!

Der allgemeine Teil der Prüfungsordnung geht uns alle etwas an!

Lageplan

Der Weg zum Raum GW2 B3009 (interaktiver Lageplan):

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