Antrag stellen: Zuschuss für Studierende im Rahmen der Überbrückungshilfe/Filling out the application: grant for students in the context of the Corona bridging allowance

Auch, wenn wir als AStA deutlich mehr vom lange angekündigten Zuschuss für Studierende im Rahmen der Überbrückungshilfe erwartet haben, möchten wir euch Hilfestellung beim Stellen des Antrags geben. Dafür haben wir ein FAQ zusammengestellt. Unser Statement zum Nachlesen findet ihr hier.

Although we as the AStA have expected more from the long awaited student grants Corona bridging allowance, we would like to offer you help in filling out the application. For that purpose, we have made a FAQ. Our statement concerning the grants can be found here.

Wer kann einen Zuschuss beantragen?/Who can apply for a grant?

Der Zuschuss kann von allen Studierenden beantragt werden, welche zum Zeitpunkt der Antragstellung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule innerhalb Deutschlands immatrikuliert sind. Beurlaubte Studierende können keinen Antrag auf Zuschuss stellen. Studierende können den Antrag aus dem In- oder Ausland stellen.

All students can apply for a grant, as long as they’re enrolled in a state or state-approved University inside of Germany during the time of application. Students who are on a holiday semester cannot apply. You can send in your application from inside Germany, or from outside its borders, it doesn’t matter. 

Wie viel Geld kann beantragt werden?/How much money can I apply for?

Der Zuschuss umfasst eine Summe von 100 Euro bis 500 Euro im Juli und August 2020. Die Höhe richtet sich nachdem Kontostand des Vortages bei der Antragstellung. Der Antrag muss jeden Monat neu gestellt werden.

The grant has a sum between 100€ and 500€ during Juli and August. The amount depends on your bank balance one day before application. The application needs to be re-entered every month.

Welche Dokumente werden benötigt/Which documents are needed?

  • Immatrikulationsbescheinigung
  • Personalausweis (Reisepass, Meldebescheinigung)
  • Bankverbindung in Deutschland
  • Belege der Notlage (z.B. Kündigungsschreiben Job)
  • Kontostand vom Vortag
  • Kontoauszüge der letzten Wochen
  • confirmation of enrollment
  • identity card (Visa, registration card)
  • German Bank account  
  • Certification of financial distress (e.g. notice of termination) 
  • Bank balance from the prior day
  • bank statements of the last weeks

Gibt es eine Frist zur Beantragung?/Is there a deadline for the application?

Der Antrag kann bis zum letzten Tag des laufenden Monats gestellt werden. Achtung: Es gibt keine Gewährleistung für die Überbrückungshilfe, sodass eine schnelle Antragstellung sinnvoll ist.

The application can be submitted until the last day of the current month. Attention: There is no guarantee that you will get the grant, so the earlier you apply for it, the better. 

Wo kann ich den Antrag stellen?/Where can I apply?

Der Antrag kann seit dem 16.06.2020 online hier auf der Seite Überbrückungshilfe für Studierende gestellt werden. Der Antrag wird für Bremer Studierende vom Bremer Studierendenwerk bearbeitet, hier bekommt hier weitere Informationen.

Since the 16.06.2020 you can apply online here, on the website of the Überbrückungshilfe for students. For students from Bremen the applications are handled by the “Studierendenwerk Bremen”, you can find additional information concerning them here

Wann bekomme ich das Geld ausgezahlt?/When will I get the grant? 

Die Anträge werden laut dem Deutschen Studierendenwerk ab dem 25.06.2020 bearbeitet. Nach einer Zusage soll nach einer Woche mit der Auszahlung des Zuschusses gerechnet werden können. Das heißt konkret: frühestens Anfang Juli.

The “Studierendenwerk Bremen” says, that they will start working on the applications on the 25.06.2020. Approximately one week after the confirmation that you will get the grant, it should be on your bank account. That means the earliest time it can arrive is the begining of Juli.

Zählt der Zuschuss als Einkommen beim BAFöG?/Does the grant count as extra income for BAFöG? 

Nein, für bezuschusste Studierende entsteht kein Nachteil bei einer gleichzeitigen BAFöG-Förderung.

No, students that got the grant and are receiving BAFöG don’t get any penalties.

Zum Zuschuss für Studierende im Rahmen der Corona-Überbrückungshilfe

(english version below)

Seit heute Mittag können Studierende endlich einen Antrag auf Nothilfe stellen und das ganz ohne Rückzahlung. Was im ersten Moment nach einer wirklichen Hilfe klingt, ist letztendlich wieder nur eine Mogelpackung mit vielen Bedingungen und Hürden für durch die Corona-Pandemie in Not geratene Studierende. Wer nämlich mehr als 100 Euro auf dem Konto hat, bekommt schon einmal nicht die maximale Summe von 500 Euro bezuschusst (1). Danach gibt es Abzüge für jeden Cent zu viel auf dem Konto (2). Hinzu kommt, dass die Auszahlung der Nothilfe, die im Übrigen schon seit April angekündigt, aber bisher nicht umgesetzt wurde, voraussichtlich erst zum Ende des Monats ausgezahlt werden wird. Studierende mit Rücklagen, Angespartem für das Auslandssemester oder für den Fall, dass die Waschmaschine oder der Computer kaputt gehen, werden wieder einmal bestraft. Ab einem Kontostand von 500 Euro gibt es nämlich gar nichts vom Bund. Nachgewiesen muss die “Bedürftigkeit” durch die Herausgabe der Bankverbindung, Belege der Notlage wie z.B. Kündigung des Jobs, den Kontostand vom Vortag sowie die Kontoauszüge der vergangenen Wochen. Das heißt konkret: bis mindestens zur letzten “normalen” Einnahme (letzter Lohn, Unterstützung der Eltern etc.) (2)
Dass überhaupt etwas auf Bundeseben in Sachen Nothilfe für Studierenden passiert ist, ist auch keinesfalls der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zu verdanken, sondern wohl eher den unermüdlichen Einsatz einzelner Studierender, ganzer Studierendenschaften und Gewerkschaftsvertreter*innen Deutschlands. Genau diese stehen nämlich wöchentlich auf den Straßen, protestieren und versuchen mit Worten, Zahlen und kreativen Aktionen auf die prekäre finanzielle Lage von Studierenden aufmerksam zu machen und ihre Forderungen für das Solidarsemester (3) durchzusetzen.
Offensichtlich sprechen die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und die Studierenden eben nicht dieselbe Sprache oder sie hört schlichtweg nicht zu. Karliczek hätte ihr Studium aktuell wohl nicht in Regelstudienzeit geschafft, Schnelligkeit und Zielstrebigkeit gehören schließlich nicht zu ihren Stärken. Die heute abrufbaren Zuschüsse sind, nur als Erinnerung, Teil der Überbrückungshilfe für Studierende, die erstmals im April angekündigt waren und im Mai beschlossen wurden. Hat da das Sommerloch zugeschlagen? Oder war es schlichtweg einfacher, als BMBF auf den KfW-Studienkredit zu verweisen, der die Studierenden neben der Corona-Krise direkt in die Schuldenkrise stürzt? Abgesehen davon, dass der KfW-Kredit vorerst nicht für ausländische Studierende beantragbar war und diese Regelung erst seit Anfang diesen Monats aufgehoben wurde (4). Überraschend kam für die Zuständigen auch, dass das Online-Portal, über das der Antrag ganz einfach gestellt werden kann, erst noch programmiert werden musste und das auch tatsächlich bis Mitte Juni gedauert hat.
Positiv ist, dass dieses Mal auch fast alle Studierenden bedacht wurden. Alle Studierenden, die zum Zeitpunkt der Antragstellung an einer staatlich anerkannten Hochschule immatrikuliert sind, dürfen auch einen Antrag auf einen Zuschuss stellen. Auch wird der Zuschuss nicht als Einnahme beim BAföG gewertet, sodass bei einer Kombination aus BAföG und Zuschuss keine Nachteile entstehen (1). Dass die Mittel dabei nur für ca 2 % der Studis reichen, gehört dann wieder zum Kleingedruckten. Aber wir kennen das ja schon, wir müssen einfach schneller sein! Nur noch einmal mehr die Ellenbogen ausfahren, dann haben wir die Chance auf 0-500 Euro.

Wir fragen uns jedoch, wie soll das als Überbrückung reichen? Und warum reden wie hier immer nur von Überbrückung?


Reminder: wir treffen morgen, 17.06., um 13.30 Uhr auf dem Bremer Marktplatz zur Solidarsemester-Demo: BAföG-Verlängerung jetzt!


Quellen:
(1)https://www.bmbf.de/de/zuschuss-fuer-studierende-in-akuter-notlage-kann-ab-dienstag-beantragt-werden-11820.html

(2)https://www.studis-online.de/studienfinanzierung/corona-zuschuss.php

(3)https://solidarsemester.de

(4)https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/corona-nothilfe-fuer-studierende-ab-dienstag-gibt-es-geld-vom-bund,S1zAFai

On the aid for students in the context of the Corona bridging allowance

Starting today at 12:00 PM, students can finally apply for emergency aid without having to pay back the money. What at first sounds like real help is ultimately just another deceptive package with many conditions and hurdles for students in financial difficulties due to the Corona pandemic. If you have more than 100 euros in your account, you will not receive the maximum amount of 500 euros (1). After that there are deductions for every cent too much in the account (2). In addition, the payment of the emergency aid, which, incidentally, has been announced since April but has not yet been implemented, will probably not be paid out until the end of the month. Students with reserves and savings, e.g. for the semester abroad or in case the washing machine or computer breaks down, will be punished once again. With an account balance of 500 euros or more, you won’t get anything from the federal government. Proof of “indigence” must be provided by issuing bank details, proof of the financial hardship, e.g. a job termination notice, the account balance from the previous day and the account statements from the previous weeks. In concrete terms, this means: up to at least the last “normal” income (last wage, support from parents, etc.) (2)
The fact that anything has happened at all on the federal level in terms of emergency aid for students is not due to the Federal Minister of Education Karliczek, but rather to the tireless efforts of individual students, entire student bodies and trade union representatives in Germany. It is precisely these students who stand on the streets every week, protesting and trying to draw attention to the precarious financial situation of students with words, statistics and creative actions and to achieve their demands for the solidarity semester (3). Obviously the Federal Minister of Education Anja Karliczek and the students do not speak the same language or she simply does not listen. Karliczek would probably not have been able to complete her studies in the standard period of study; after all, speed and determination are not among her strengths. The aid available today is, just as a reminder, part of the bridging assistance for students, which was first announced in April and approved in May. Is that when the summer slump hit? Or was it simply easier to refer to the student loan from the KfW, which, in addition to the corona crisis, plunges students directly into the debt crisis? Apart from the fact that the KfW loan could initially not be applied for by foreign students and that this regulation was only abolished at the beginning of this month (4 ). It also came as a surprise to those responsible that the online portal, through which the application can be easily submitted, had yet to be programmed and that this actually took until mid-June. 
On the positive side, this time all students were thought of. All students who are enrolled at a state recognized university at the time of application may also apply for aid. Also, the aid is not regarded as income for BAföG, so that a combination of BAföG and the aid is not disadvantageous (1). The fact that the funds are only sufficient for about 2 % of the students is then again part of the fine print. But we already know this, we just have to be faster! Just use the elbows one more time, then we have the chance to win 0-500 Euro.
We ask ourselves, however, how can this be enough as a bridge? And why are we always only talking about bridging here?

Studis in Not fordern Hilfe: Wir brauchen ein Solidarsemester!

Am Mittwoch den 17. Juni gehen wir in Bremen auf die Straße, um gegen die unzureichenden Hilfsmaßnahmen für Studierende in der Corona-Krise zu protestieren. 

Diese Krise trifft uns gerade von allen Seiten: Studi-Jobs brechen weg, eine finanzielle Unterstützung durch Eltern ist oft nicht mehr möglich und von Sozialleistungen wie HartzIV sind wir ausgeschlossen… Auch die Umstellung des Hochschulbetriebs auf rein digitale Lehre bringt neue Probleme mit sich und verschärft alte. Viele müssen sich neben dem Studium jetzt zudem um Kinder, kleine Geschwister oder zu pflegende Angehörige kümmern, springen in essentiellen Jobs ein oder engagieren sich ehrenamtlich in der Corona-Nachbarschaftshilfe. 

Für uns ist klar: Es darf kein Nachteil für Studis daraus erwachsen, dass sie jetzt unverschuldet nicht so studieren können wie sonst. Viele der negativen Folgen für Studierende sind leicht durch eine gute Krisen-Politik und -Verwaltung vermeidbar. Was wir deshalb als #Solidarsemester -Bündnis aus Studierenden in der ganzen Bundesrepublik fordern hier auf unserer Seite oder unter www.solidarsemester.de nachlesen.

VBN fährt Verhandlungen gegen die Wand

Semesterticket für 65.000 Studierende gefährdet

Bereits jetzt führt der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen mit seinem Verbund- Semesterticket (kurz: VBN-Ticket) für Studierende in Bremen und Niedersachsen die Liste der bundesweit teuersten Semestertickets an – und das bei geringeren Leistungen. Nach Jahren weit überdurchschnittlicher Preiserhöhungen hat das VBN-Ticket ein Preisniveau erreicht, das auch solidarisch nicht mehr tragbar ist. Deshalb hat die deutliche Mehrheit der betroffenen Studierenden-Vertretungen Ende 2019 eine erneute Erhöhung der Ticketpreise für Oktober 2020 abgelehnt und deutlich günstigere Semestertickets gefordert. Nach Monaten intensiver Verhandlungen um neue Verträge ist inzwischen klar: Der VBN und die einzelnen Verkehrsunternehmen sind grundsätzlich nicht bereit ihre Preispolitik in Frage zu stellen und haben wiederholt mit der Kündigung des Semestertickets gedroht. Die Zukunft des Tickets entscheidet sich diese Woche.

Bisher funktioniert das Semesterticket als “Solidarmodell” für ca 65.000 Studierende im Geltungsbereich des VBN, VEJ und VGC: Jeder Studi ist zum Kauf dieses Tickets verpflichtet, um studieren zu dürfen – unabhängig davon, ob es konkret gebraucht wird oder nicht. So werden die Kosten für den Nahverkehr auf viele Schultern verteilt. Das sollte den ÖPNV attraktiver machen und dafür sorgen, dass die Fahrt von der Wohnung zur Hochschule, eine Mindestmobilität für Studierende, für alle bezahlbar bleibt – sowohl für die, die für ihr Studium existentiell auf den ÖPNV angewiesen sind, als auch für diejenigen, die ohnehin lieber Rad fahren oder wegen schlechter ÖPNV-Anbindungen und teurer Mieten in Hochschulnähe mit dem Auto zur Universität oder Hochschule pendeln.

Dieses Modell funktioniert jedoch nur, wenn der Ticketpreis im Rahmen bleibt. Das wiederum ist längst Geschichte:
Gestartet ist das Ticket für den Stadtbereich Bremen 1993 mit einem Preis von 73,98 DM. Aber allein in den letzten 10 Jahren erhöhte sich der Preis des Semestertickets im Durchschnitt um fast 10 Euro pro Jahr auf aktuell 138,40 Euro. Und wenn es nach den Anbietern des VBN-Tickets geht, soll es auch in den nächsten Jahren noch teurer werden.

Dabei gab es in der Vergangenheit zusätzlich zu den durchschnittlichen +8% zu jedem Wintersemester zuletzt im Herbst 2018 mit +14% eine enorme Preiserhöhung.
Auch der Anteil des Landesweiten Semestertickets Niedersachsen, der noch dazu kommt um Bahnstrecken außerhalb des Verbundgebietes abzudecken soll in den nächsten anderthalb Jahren erst einmal teurer werden.

Mit insgesamt bis zu 400 Euro verpflichtenden Semesterbeiträgen zusätzlich zu Lernmaterialien, Miete und Lebensunterhalt stellt sich schon lange die Frage, wer sich ein Studium hier überhaupt noch leisten kann. Der Anteil, den der VBN zu diesem Problem beiträgt, wirkt längst über die Landesgrenzen hinaus:

“Studieren in Bremen oder Oldenburg kommt tatsächlich kaum noch in Frage, wenn wir hier in Osnabrück für das selbe Ticket deutlich weniger zahlen”

Jens Klärner, Student in der Verkehrs-LandesAStenKonferenz Niedersachsen

Dies gilt erst recht, wenn es tatsächlich zu der angedrohten Kündigung des VBN-Tickets kommen sollte. Dann tragen eben nicht mehr alle Studierenden gemeinsam und solidarisch diejenigen, die für ihr Studium unbedingt auf den ÖPNV angewiesen sind, weil sie sich kein Auto leisten können oder wollen oder schlecht zu Fuß sind: dann fährt in Bremen der Großteil per Rad und ein kleiner Teil muss zusehen, wie er sich ohne gebotene Mindestmobilität den Weg zur Uni leistet.

Auch für die Anbieter des VBN-Tickets hätte das weitreichende Konsequenzen: Allein beim VBN stellte das Verbundticket der Studierenden im Jahr 2018, schon vor der aktuellen Corona-Krise, etwa 10% aller Fahrten und 15% des gesamten Jahresumsatzes dar – als sichere planbare Einnahme. Während des Lockdowns werden die Studis einen rasant steigenden Teil der Umsätze ausmachen, obwohl sie das Ticket nicht einmal gebrauchen können: Präsenz-Veranstaltungen an den Hochschulen sind dieses Semester vorerst abgesagt.

Die Vorteile, die das Verbund-Semesterticket auch für die Verkehrsunternehmen bietet, bilden sich längst nicht mehr im Preis des speziellen Tickets ab. Ansonsten übliche Vergünstigungen für Zeitkarten oder große Abnehmer (vgl. mit Mengenrabatten für Kundenbindung in der Wirtschaft) werden den Studis nicht entsprechend geboten.

“Seit Jahren setzten uns die Unternehmen immer teurere Preise ohne vernünftige Begründung vor, profitierten von regelmäßig wechselnden Studierenden-Vertretungen und drohten sonst nach der Logik ‘friss oder stirb’ mit der Kündigung – damit muss endgültig Schluss sein!”

Cynthia Wolter, Vorsitzende vom AStA der Jade Hochschule

Der Jade Hochschule wurde nach Protesten gegen die 14-prozentige Preiserhöhung auch tatsächlich vor einem Jahr gekündigt. Erst nach dieser Kündigung und einer Charme- Offensive des VBN mit vielen Versprechungen hatte sich die Studierendenschaft dann doch für die Annahme des neuen Preises entschieden. Eingehalten wurde von den Versprechen bisher keines. “Den Fehler machen wir nicht noch einmal.”, so Wolter.

Die Anbieter um den VBN wiederum schieben die Verantwortung der Landespolitik zu: “Es ist nicht unsere Aufgabe für die Sozialverträglichkeit unserer Tickets zu sorgen.”, so Rainer Counen, Geschäftsführer und Verhandlungsführer für den VBN.

“In Zeiten, in denen die Corona-Krise Studierende von allen Seiten trifft und die Verkehrsverbünde gleichzeitig Mittel von der Landespolitik fordern, um sich ihre Verlustausfälle finanzieren zu lassen, ist so eine Haltung schlicht unverschämt.”

Luna Grommes vom AStA-Vorstand der Hochschule Bremen

Auch der Verhandlungsführer der Studierenden-Vertretungen, Marlin Meier von der Universität Bremen, bedauert die festgefahrene Position der Verkehrsbetriebe: “Während wir uns in allen anderen Punkten des Vertragstextes sehr konstruktiv verständigen und letztlich einigen konnten, verweigert das Verhandlungsteam des VBN in den Punkten Preis und Preisentwicklung jede Debatte. Dabei ist längst klar: Zum bisherigen Preis ist das Ticket für uns nicht länger tragbar.

Das Bündnis der Studierenden hat bereits zum 17.01.2020 einen Vorschlag erarbeitet, der die Argumentation der Anbieter, die Vergleichbarkeit mit dem deutlich teureren Schüler- Monats-Ticket, aufgreift, aber gleichzeitig den wesentlichen Unterschieden der Tickets angemessen Rechnung trägt. So liegt der Preis von 126,30€ deutlich unter dem aktuellen Ticketpreis, basiert jedoch aus Sicht der Studierendenvertretungen auf einer den Verkehrsbetrieben noch sehr entgegenkommenden Rechnung.

Zur Preisentwicklung hat das Bündnis den einfachen Vorschlag gemacht, die Tarifentwicklung des Semestertickets an die Tarifentwicklung der zur Referenz dienenden Schüler-MonatsTickets zu koppeln. Gegenüber dem VBN-Vorschlag, einer Index- basierten Preisformel, erspart das den Streit um die bisher auch auf Nachfrage hin noch völlig unbegründete Gewichtung der jeweiligen Indizes und bezieht ein, dass der Ticketpreis sich nicht nur aus Neuanschaffungen und Personalkosten etc. zusammensetzt, sondern wesentlich auch etwas damit zu tun haben sollte, was an öffentlichen Mitteln in den ÖPNV gesteckt wird. Während das Preismodell des VBN festschreiben würde, dass das Ticket für Studierende unabhängig von öffentlichen Zuschüssen jedes Jahr nur teurer wird, bietet das Modell des ASten-Bündnisses die Möglichkeit dafür, dass auch Studierende etwas von der Verkehrswende und mehr öffentlichen Geldern für den VBN haben könnten, für die sie gemeinsam mit den Vertragspartnern gegenüber der Landespolitik streiten.


Zustimmung bekommt das Verhandlungsteam darin unter anderem auch von Fridays For Future:

“Wir als junge Generation sind nicht bereit, die Rechnung für eine verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik gleich doppelt zu zahlen. Der ÖPNV muss endlich günstiger werden.”

Dominik Lange von Students For Future

Dass sich der VBN in beiden Punkten nicht bewegt hat und dann auch noch die Festschreibung ihrer gewünschten Preiserhöhung für weitere Jahre als “Entgegenkommen” verkaufen will, zeigt, wie weit sich die Vorstellungswelt der Unternehmen von der Lebensrealität der Studierenden entkoppelt hat.

“Die Zeiten, in denen man Studis Jahr für Jahr mehr Geld aus der Tasche ziehen konnte, sind längst vorbei. Erstens haben wir schlichtweg kein Geld mehr dafür übrig und zweitens haben wir auch politisch die Strukturen geschaffen, unsere Interessen langfristig und hochschulübergreifend gemeinsam stark zu machen, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen.”

Marlin Meier, Vertreter des AStA der Uni Bremen

Viel Zeit für eine Einigung bleibt nicht: Bis Mitte Mai muss definitiv feststehen, ob es das VBN-Ticket ab WS 20/21 weiterhin geben wird und was es zukünftig kostet, weil dann die ersten Zahlungsaufforderungen für Semesterbeiträge an Studierende rausgehen.

Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt, müssen die Studierendenvertretungen deshalb auch schon jetzt genau die Kündigung vorbereiten, mit der die Anbieter immer wieder drohen.

Die Verantwortung für fast 65.000 Studierende, die diese Kündigung in Bremen und Umgebung treffen würde, ist den ASten sehr klar – aber um den Teufelskreis an ständig teureren Semestertickets und immer größerer Abhängigkeit von den Anbietern zu durchbrechen, sehen die Studierendenschaften keinen anderen Weg als einen klaren Reset, wenn sich der VBN im Namen aller Anbieter nicht auf das Angebot einlässt.

An Alternativmodellen zur Sicherung der für ein Studium nötigen Mindestmobilität arbeitet man bereits. Auch dort soll weiterhin das Solidaritätsprinzip gelten, damit maßgeblich Studis in besonders prekärer finanzieller Situation von der Solidargemeinschaft aufgefangen werden. Gefordert ist hier aber auch die Landespolitik. Bereits jetzt ist die Last der Härtefälle, die sich die ÖPNV-Tickets nicht mehr leisten können, nicht mehr von den ASten tragbar.

Entscheiden wird sich die Frage voraussichtlich am 4. Mai – dem letzten seitens der Studierenden angebotenen Verhandlungstermin zum VBN-Semesterticket.

AStA-Forderungen an Uni und Landespolitik: SOLIDARSEMESTER 2020!

Der AStA Bremen unterstützt die Aktiven der Initiative TVStud und ihren offenen Brief mit zentralen Forderungen an die Landespolitik:

Offener Brief an die Landesregierung des Landes Bremen

Darüber hinaus fordern wir von der Uni Bremen und der Regierung weitere Maßnahmen, um der besonderen Situation an unserer Uni gerecht zu werden:

Studierende und Lehrende im Land Bremen stehen gerade aufgrund der aktuellen COVID-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Die Einschränkungen des Hochschulbetriebs, geschlossene Bibliotheken, Absagen der Präsenzlehre sowie die Isolation führen zu einer angespannten Situation. Auch abseits der Hochschulen ergeben sich Schwierigkeiten, die Einfluss auf das Studium haben.

Studierenden brechen die Jobs und die finanzielle Unterstützung der Eltern weg. Viele müssen sich jetzt um kleine Geschwister oder zu pflegende Angehörige kümmern. Gerade in Bremen, wo viele Menschen von Armut bedroht sind, stellt dies große Hindernisse auch für Studierende dar.

Die Absage der Präsenzveranstaltungen und die Umstellung auf digitale Lehre werden neue Probleme mit sich bringen und alte verschärfen. Schon jetzt wird das Lehrangebot eingeschränkt und es ist noch unklar, welche Prüfungen überhaupt in welcher Form stattfinden werden. Wir bezweifeln zudem sehr, dass der ohnehin unterfinanzierten Uni Bremen so schnell eine gelungene Umstellung auf digitale Lehre gelingt, die den didaktischen Ansprüchen, aber auch umfassender Barrierefreiheit und Datenschutz gerecht wird.

Wir sehen im Gegenteil die Gefahr, dass soziale Unterschiede jetzt noch viel deutlicher hervortreten werden. In einer lauten Familie oder Wohngemeinschaft, mit schlechtem Laptop und auf engem Raum studiert es sich beispielsweise viel schlechter als in den Räumen der Universität mit Zugang zur Bibliothek. In vielen Haushalten wird es schlicht unmöglich sein, immer einen ruhigen Arbeitsplatz zu den Seminarzeiten zu garantieren. Studierende, die ihren Job verloren haben, müssen in erster Linie erstmal finanziell über die Runden kommen und haben weniger Zeit, weniger Geld, geschweige denn den Kopf für ein ‘normales’ Vollzeitstudium.

Sowohl Studierenden, als auch Lehrenden muss bewusst sein, dass das kommende Semester nach dem Schema trial-and-error laufen wird. Das bedeutet, dass Probleme auftreten werden. Sei es, weil bei einer Videokonferenz mit zwanzig Leuten die Konzentration fehlt, etwas konstruktives beizutragen oder weil eine Prüfungsnote zu spät kommt, da Dozierende gerade noch mehr zu tun haben als sonst. Sei es, dass Pflichtpraktika im Ausland gerade nicht absolviert werden können, oder Beratungsstellen überlastet sind. Deshalb gilt für alle: Es kann nicht erwartet werden, dass dasselbe Leistungsniveau erbracht wird wie in jedem anderen Semester.

Das mindeste, was die Hochschulen und Landesregierung jetzt tun müssen, ist die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass der Druck auf Studierende und Lehrende reduziert wird und für Studierende keine Nachteile daraus entstehen, dass Sie nicht so studieren können wie sonst.
Deshalb schließen wir uns als AStA der Uni Bremen den Forderungen des bundesweiten Bündnisses “Solidarsemester” an: solidarsemester.de
und fordern konkreter von der Uni-Leitung und Bremer Landespolitik:

AStA-Forderungen an Uni und Landespolitik: SOLIDARSEMESTER 2020!