VBN fährt Verhandlungen gegen die Wand

Semesterticket für 65.000 Studierende gefährdet

Bereits jetzt führt der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen mit seinem Verbund- Semesterticket (kurz: VBN-Ticket) für Studierende in Bremen und Niedersachsen die Liste der bundesweit teuersten Semestertickets an – und das bei geringeren Leistungen. Nach Jahren weit überdurchschnittlicher Preiserhöhungen hat das VBN-Ticket ein Preisniveau erreicht, das auch solidarisch nicht mehr tragbar ist. Deshalb hat die deutliche Mehrheit der betroffenen Studierenden-Vertretungen Ende 2019 eine erneute Erhöhung der Ticketpreise für Oktober 2020 abgelehnt und deutlich günstigere Semestertickets gefordert. Nach Monaten intensiver Verhandlungen um neue Verträge ist inzwischen klar: Der VBN und die einzelnen Verkehrsunternehmen sind grundsätzlich nicht bereit ihre Preispolitik in Frage zu stellen und haben wiederholt mit der Kündigung des Semestertickets gedroht. Die Zukunft des Tickets entscheidet sich diese Woche.

Bisher funktioniert das Semesterticket als “Solidarmodell” für ca 65.000 Studierende im Geltungsbereich des VBN, VEJ und VGC: Jeder Studi ist zum Kauf dieses Tickets verpflichtet, um studieren zu dürfen – unabhängig davon, ob es konkret gebraucht wird oder nicht. So werden die Kosten für den Nahverkehr auf viele Schultern verteilt. Das sollte den ÖPNV attraktiver machen und dafür sorgen, dass die Fahrt von der Wohnung zur Hochschule, eine Mindestmobilität für Studierende, für alle bezahlbar bleibt – sowohl für die, die für ihr Studium existentiell auf den ÖPNV angewiesen sind, als auch für diejenigen, die ohnehin lieber Rad fahren oder wegen schlechter ÖPNV-Anbindungen und teurer Mieten in Hochschulnähe mit dem Auto zur Universität oder Hochschule pendeln.

Dieses Modell funktioniert jedoch nur, wenn der Ticketpreis im Rahmen bleibt. Das wiederum ist längst Geschichte:
Gestartet ist das Ticket für den Stadtbereich Bremen 1993 mit einem Preis von 73,98 DM. Aber allein in den letzten 10 Jahren erhöhte sich der Preis des Semestertickets im Durchschnitt um fast 10 Euro pro Jahr auf aktuell 138,40 Euro. Und wenn es nach den Anbietern des VBN-Tickets geht, soll es auch in den nächsten Jahren noch teurer werden.

Dabei gab es in der Vergangenheit zusätzlich zu den durchschnittlichen +8% zu jedem Wintersemester zuletzt im Herbst 2018 mit +14% eine enorme Preiserhöhung.
Auch der Anteil des Landesweiten Semestertickets Niedersachsen, der noch dazu kommt um Bahnstrecken außerhalb des Verbundgebietes abzudecken soll in den nächsten anderthalb Jahren erst einmal teurer werden.

Mit insgesamt bis zu 400 Euro verpflichtenden Semesterbeiträgen zusätzlich zu Lernmaterialien, Miete und Lebensunterhalt stellt sich schon lange die Frage, wer sich ein Studium hier überhaupt noch leisten kann. Der Anteil, den der VBN zu diesem Problem beiträgt, wirkt längst über die Landesgrenzen hinaus:

“Studieren in Bremen oder Oldenburg kommt tatsächlich kaum noch in Frage, wenn wir hier in Osnabrück für das selbe Ticket deutlich weniger zahlen”

Jens Klärner, Student in der Verkehrs-LandesAStenKonferenz Niedersachsen

Dies gilt erst recht, wenn es tatsächlich zu der angedrohten Kündigung des VBN-Tickets kommen sollte. Dann tragen eben nicht mehr alle Studierenden gemeinsam und solidarisch diejenigen, die für ihr Studium unbedingt auf den ÖPNV angewiesen sind, weil sie sich kein Auto leisten können oder wollen oder schlecht zu Fuß sind: dann fährt in Bremen der Großteil per Rad und ein kleiner Teil muss zusehen, wie er sich ohne gebotene Mindestmobilität den Weg zur Uni leistet.

Auch für die Anbieter des VBN-Tickets hätte das weitreichende Konsequenzen: Allein beim VBN stellte das Verbundticket der Studierenden im Jahr 2018, schon vor der aktuellen Corona-Krise, etwa 10% aller Fahrten und 15% des gesamten Jahresumsatzes dar – als sichere planbare Einnahme. Während des Lockdowns werden die Studis einen rasant steigenden Teil der Umsätze ausmachen, obwohl sie das Ticket nicht einmal gebrauchen können: Präsenz-Veranstaltungen an den Hochschulen sind dieses Semester vorerst abgesagt.

Die Vorteile, die das Verbund-Semesterticket auch für die Verkehrsunternehmen bietet, bilden sich längst nicht mehr im Preis des speziellen Tickets ab. Ansonsten übliche Vergünstigungen für Zeitkarten oder große Abnehmer (vgl. mit Mengenrabatten für Kundenbindung in der Wirtschaft) werden den Studis nicht entsprechend geboten.

“Seit Jahren setzten uns die Unternehmen immer teurere Preise ohne vernünftige Begründung vor, profitierten von regelmäßig wechselnden Studierenden-Vertretungen und drohten sonst nach der Logik ‘friss oder stirb’ mit der Kündigung – damit muss endgültig Schluss sein!”

Cynthia Wolter, Vorsitzende vom AStA der Jade Hochschule

Der Jade Hochschule wurde nach Protesten gegen die 14-prozentige Preiserhöhung auch tatsächlich vor einem Jahr gekündigt. Erst nach dieser Kündigung und einer Charme- Offensive des VBN mit vielen Versprechungen hatte sich die Studierendenschaft dann doch für die Annahme des neuen Preises entschieden. Eingehalten wurde von den Versprechen bisher keines. “Den Fehler machen wir nicht noch einmal.”, so Wolter.

Die Anbieter um den VBN wiederum schieben die Verantwortung der Landespolitik zu: “Es ist nicht unsere Aufgabe für die Sozialverträglichkeit unserer Tickets zu sorgen.”, so Rainer Counen, Geschäftsführer und Verhandlungsführer für den VBN.

“In Zeiten, in denen die Corona-Krise Studierende von allen Seiten trifft und die Verkehrsverbünde gleichzeitig Mittel von der Landespolitik fordern, um sich ihre Verlustausfälle finanzieren zu lassen, ist so eine Haltung schlicht unverschämt.”

Luna Grommes vom AStA-Vorstand der Hochschule Bremen

Auch der Verhandlungsführer der Studierenden-Vertretungen, Marlin Meier von der Universität Bremen, bedauert die festgefahrene Position der Verkehrsbetriebe: “Während wir uns in allen anderen Punkten des Vertragstextes sehr konstruktiv verständigen und letztlich einigen konnten, verweigert das Verhandlungsteam des VBN in den Punkten Preis und Preisentwicklung jede Debatte. Dabei ist längst klar: Zum bisherigen Preis ist das Ticket für uns nicht länger tragbar.

Das Bündnis der Studierenden hat bereits zum 17.01.2020 einen Vorschlag erarbeitet, der die Argumentation der Anbieter, die Vergleichbarkeit mit dem deutlich teureren Schüler- Monats-Ticket, aufgreift, aber gleichzeitig den wesentlichen Unterschieden der Tickets angemessen Rechnung trägt. So liegt der Preis von 126,30€ deutlich unter dem aktuellen Ticketpreis, basiert jedoch aus Sicht der Studierendenvertretungen auf einer den Verkehrsbetrieben noch sehr entgegenkommenden Rechnung.

Zur Preisentwicklung hat das Bündnis den einfachen Vorschlag gemacht, die Tarifentwicklung des Semestertickets an die Tarifentwicklung der zur Referenz dienenden Schüler-MonatsTickets zu koppeln. Gegenüber dem VBN-Vorschlag, einer Index- basierten Preisformel, erspart das den Streit um die bisher auch auf Nachfrage hin noch völlig unbegründete Gewichtung der jeweiligen Indizes und bezieht ein, dass der Ticketpreis sich nicht nur aus Neuanschaffungen und Personalkosten etc. zusammensetzt, sondern wesentlich auch etwas damit zu tun haben sollte, was an öffentlichen Mitteln in den ÖPNV gesteckt wird. Während das Preismodell des VBN festschreiben würde, dass das Ticket für Studierende unabhängig von öffentlichen Zuschüssen jedes Jahr nur teurer wird, bietet das Modell des ASten-Bündnisses die Möglichkeit dafür, dass auch Studierende etwas von der Verkehrswende und mehr öffentlichen Geldern für den VBN haben könnten, für die sie gemeinsam mit den Vertragspartnern gegenüber der Landespolitik streiten.


Zustimmung bekommt das Verhandlungsteam darin unter anderem auch von Fridays For Future:

“Wir als junge Generation sind nicht bereit, die Rechnung für eine verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik gleich doppelt zu zahlen. Der ÖPNV muss endlich günstiger werden.”

Dominik Lange von Students For Future

Dass sich der VBN in beiden Punkten nicht bewegt hat und dann auch noch die Festschreibung ihrer gewünschten Preiserhöhung für weitere Jahre als “Entgegenkommen” verkaufen will, zeigt, wie weit sich die Vorstellungswelt der Unternehmen von der Lebensrealität der Studierenden entkoppelt hat.

“Die Zeiten, in denen man Studis Jahr für Jahr mehr Geld aus der Tasche ziehen konnte, sind längst vorbei. Erstens haben wir schlichtweg kein Geld mehr dafür übrig und zweitens haben wir auch politisch die Strukturen geschaffen, unsere Interessen langfristig und hochschulübergreifend gemeinsam stark zu machen, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen.”

Marlin Meier, Vertreter des AStA der Uni Bremen

Viel Zeit für eine Einigung bleibt nicht: Bis Mitte Mai muss definitiv feststehen, ob es das VBN-Ticket ab WS 20/21 weiterhin geben wird und was es zukünftig kostet, weil dann die ersten Zahlungsaufforderungen für Semesterbeiträge an Studierende rausgehen.

Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt, müssen die Studierendenvertretungen deshalb auch schon jetzt genau die Kündigung vorbereiten, mit der die Anbieter immer wieder drohen.

Die Verantwortung für fast 65.000 Studierende, die diese Kündigung in Bremen und Umgebung treffen würde, ist den ASten sehr klar – aber um den Teufelskreis an ständig teureren Semestertickets und immer größerer Abhängigkeit von den Anbietern zu durchbrechen, sehen die Studierendenschaften keinen anderen Weg als einen klaren Reset, wenn sich der VBN im Namen aller Anbieter nicht auf das Angebot einlässt.

An Alternativmodellen zur Sicherung der für ein Studium nötigen Mindestmobilität arbeitet man bereits. Auch dort soll weiterhin das Solidaritätsprinzip gelten, damit maßgeblich Studis in besonders prekärer finanzieller Situation von der Solidargemeinschaft aufgefangen werden. Gefordert ist hier aber auch die Landespolitik. Bereits jetzt ist die Last der Härtefälle, die sich die ÖPNV-Tickets nicht mehr leisten können, nicht mehr von den ASten tragbar.

Entscheiden wird sich die Frage voraussichtlich am 4. Mai – dem letzten seitens der Studierenden angebotenen Verhandlungstermin zum VBN-Semesterticket.

AStA-Forderungen an Uni und Landespolitik: SOLIDARSEMESTER 2020!

Der AStA Bremen unterstützt die Aktiven der Initiative TVStud und ihren offenen Brief mit zentralen Forderungen an die Landespolitik:

Offener Brief an die Landesregierung des Landes Bremen

Darüber hinaus fordern wir von der Uni Bremen und der Regierung weitere Maßnahmen, um der besonderen Situation an unserer Uni gerecht zu werden:

Studierende und Lehrende im Land Bremen stehen gerade aufgrund der aktuellen COVID-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Die Einschränkungen des Hochschulbetriebs, geschlossene Bibliotheken, Absagen der Präsenzlehre sowie die Isolation führen zu einer angespannten Situation. Auch abseits der Hochschulen ergeben sich Schwierigkeiten, die Einfluss auf das Studium haben.

Studierenden brechen die Jobs und die finanzielle Unterstützung der Eltern weg. Viele müssen sich jetzt um kleine Geschwister oder zu pflegende Angehörige kümmern. Gerade in Bremen, wo viele Menschen von Armut bedroht sind, stellt dies große Hindernisse auch für Studierende dar.

Die Absage der Präsenzveranstaltungen und die Umstellung auf digitale Lehre werden neue Probleme mit sich bringen und alte verschärfen. Schon jetzt wird das Lehrangebot eingeschränkt und es ist noch unklar, welche Prüfungen überhaupt in welcher Form stattfinden werden. Wir bezweifeln zudem sehr, dass der ohnehin unterfinanzierten Uni Bremen so schnell eine gelungene Umstellung auf digitale Lehre gelingt, die den didaktischen Ansprüchen, aber auch umfassender Barrierefreiheit und Datenschutz gerecht wird.

Wir sehen im Gegenteil die Gefahr, dass soziale Unterschiede jetzt noch viel deutlicher hervortreten werden. In einer lauten Familie oder Wohngemeinschaft, mit schlechtem Laptop und auf engem Raum studiert es sich beispielsweise viel schlechter als in den Räumen der Universität mit Zugang zur Bibliothek. In vielen Haushalten wird es schlicht unmöglich sein, immer einen ruhigen Arbeitsplatz zu den Seminarzeiten zu garantieren. Studierende, die ihren Job verloren haben, müssen in erster Linie erstmal finanziell über die Runden kommen und haben weniger Zeit, weniger Geld, geschweige denn den Kopf für ein ‘normales’ Vollzeitstudium.

Sowohl Studierenden, als auch Lehrenden muss bewusst sein, dass das kommende Semester nach dem Schema trial-and-error laufen wird. Das bedeutet, dass Probleme auftreten werden. Sei es, weil bei einer Videokonferenz mit zwanzig Leuten die Konzentration fehlt, etwas konstruktives beizutragen oder weil eine Prüfungsnote zu spät kommt, da Dozierende gerade noch mehr zu tun haben als sonst. Sei es, dass Pflichtpraktika im Ausland gerade nicht absolviert werden können, oder Beratungsstellen überlastet sind. Deshalb gilt für alle: Es kann nicht erwartet werden, dass dasselbe Leistungsniveau erbracht wird wie in jedem anderen Semester.

Das mindeste, was die Hochschulen und Landesregierung jetzt tun müssen, ist die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass der Druck auf Studierende und Lehrende reduziert wird und für Studierende keine Nachteile daraus entstehen, dass Sie nicht so studieren können wie sonst.
Deshalb schließen wir uns als AStA der Uni Bremen den Forderungen des bundesweiten Bündnisses “Solidarsemester” an: solidarsemester.de
und fordern konkreter von der Uni-Leitung und Bremer Landespolitik:

AStA-Forderungen an Uni und Landespolitik: SOLIDARSEMESTER 2020!

Offener Brief an den Bremischen Senat: S-Bahn Haltepunkt an der Otto-Hahn Allee einrichten vom 12. März 2020

Sehr geehrter Herr Bürgermeister und Präsident des Bremer Senats, sehr geehrter Herr Dr. Boven-schulte,

Sehr geehrte Frau stellvertretende Bürgermeisterin und Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobili-tät, Stadtentwicklung und Wohnungsbau,

Sehr geehrte Frau Dr. Maike Schaefer,Sehr geehrte Frau Senatorin für Justiz und Verfassung sowie für Wissenschaft und Häfen, sehr ge-ehrte Frau Dr. Claudia Schilling,

wir wenden und in diesem offenen Brief an Sie, um Stellung zu nehmen bezüglich des geplanten Baus einer S-Bahn Haltestelle der Zugstrecke Bremen-Hamburg im Nahbereich der UniversitätBremen. Soweit wir wissen soll die S-Bahn Haltestelle entweder an die Otto-Hahn Allee (nahe derTram-Haltestelle Universität Süd) oder die Achterstraße (nahe der Tram Haltestelle Technologie-park) anschließen.

Auf der letzten Sitzung des Beirats Horn-Lehe vom 21. Februar 2020, wo über die Argumente fürund gegen die unterschiedlichen Haltepunkte öffentlich diskutiert wurde, hat Frau Dr. Maike Schae-fer sich nicht nur klar für die Haltestelle an der Achterstraße ausgesprochen, sondern erweckte auchden Eindruck, dass trotz handfester Argumente für die Otto-Hahn Allee, die Entscheidung für dieAchterstraße bereits beschlossene Sache ist – obwohl es nach unserem Kenntnisstand noch keinenoffiziellen und rechtsgültigen Beschluss des Senats gibt.

Wir kritisieren die Entscheidung gegen die Otto-Hahn Allee scharf. Wir halten es für eine öko-logisch und ökonomisch unvernünftige Lösung, die in unseren Augen vor allem dem politisch-stra-tegischen Kalkül folgt, die Kleingärtner*innen südlich der Otto-Hahn Allee nicht gegen sich aufzu-1bringen – damit aber dem Wissenschafts- und Studienstandort im Land Bremen insgesamt schadet.

Im Folgenden wollen wir unsere Kritik anhand einiger Argumente verdeutlichen und bereits im Dis-kurs angeführte Argumente entkräften.

1. Es ist richtig, dass Pendler*innen aus Hamburg und umliegenden Gebieten aus Niedersachsen di-rekt an der Haltestelle aussteigen können und damit den Verkehrsknotenpunkt am Hauptbahnhofentlasten. Dieses Argument gilt jedoch unabhängig von den Haltestellen Achterstraße oder Otto-Hahn Allee, in beiden Fällen wird der Hauptbahnhof entlastet. Im Falle der Achterstraße findet je-doch für die Student*innen, Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Mitarbeiter*innen in Technik undVerwaltung und Professor*innen, die die Linie 6 nutzen, keine Entlastung statt, da die Universitätmit ihren ca 20.000 Studierenden und 3.500 Mitarbeiter*innen von der Achterstraße aus nicht fuß-läufig erreicht werden kann. Alle Pendler*innen sind also dazu gezwungen, an der Tram HaltestelleTechnologie-Park erneut in die Linie 6 einzusteigen. Die Buslinien 21 und 31, die ebenfalls an die-ser Haltestelle fahren, stellen aufgrund ihrer niedrigen Frequenz keine wesentliche Entlastung dar.

Nun ist die Linie 6 insbesondere zu den Stoßzeiten von Vorlesungen und Seminaren jedoch meis-tens bis zum Anschlag überfüllt. Ein Einsteigen nach 2/3 der Strecke ist also kaum realistisch undunzumutbar. Sollte es keine Alternative geben, um die Linie 6 tatsächlich zu entlasten, befürchtenwir, dass viele Pendler*innen die neue Haltestelle Achterstraße gar nicht nutzen werden. Statt-dessen werden diese weiterhin am Hauptbahnhof zusteigen, um überhaupt in die Tram zu kommen(und selbst zu diesem Zeitpunkt ist meist nicht mehr sicher, ob man noch in die Tram passt).

Der Vorteil liegt hier klar bei der Otto-Hahn Allee: von hier aus können alle Pendler*innen derUniversität den Zentralbereich fußläufig in unter 10 Minuten erreichen (bei der Achterstraße sind esetwa 15-20 Minuten bis zum Zentralbereich). Naheliegende Gebäude wie das NW1 sind sogar inunter 5 Minuten zu erreichen. Darüber hinaus bietet die Haltestelle Universität Zentralbereich dendeutlich besseren Umstiegspunkt, da von hier aus mehr Linien erreichbar sind und in verschiedeneBereiche des Campus-Geländes fahren. Schließlich wäre auch ein (Elektro-)Shuttle-Service von derOtto-Hahn Allee aus denkbar, der die verschiedenen Bereiche des Campus-Geländes direkt anfah-ren kann.

Das heißt, dass insgesamt die Linie 6 deutlich entlastet werden könnte. Aber darüber hinauswäre die Haltestelle aus Otto-Hahn Allee auch aus klimapolitischen Gesichtspunkten die bessere: zu2Fuß zu gehen ist immer noch die klimafreundlichste Form der Fortbewegung. Alternativ könnteman an der Otto-Hahn Alle aber auch E-Roller und Leihräder zur Verfügung stellen, damitPendler*innen schneller zu ihrem Zielort gelangen. Wir gehen nicht davon aus, dass der knappePlatz an der Achterstraße für eine entsprechende Leih-Station ausreichen würde (außerdem würdedas den kleinen Fahrradweg entlang der Haltestelle Technologie-Park, bzw. die Überquerung derStraßenbahnschienen hinter OHB sehr wahrscheinlich überlasten. Es kämen also auch hier mehrBaustellen auf die Stadt zu als es auf den ersten Blick scheint).

2. Weiterhin wird von Befürworter*innen der Achterstraße angeführt, dass die dortige S-Bahn Hal-testelle den Stadtteil Horn-Lehe stärker anbinden würde. Dies halten wir für nicht gegeben. Eineinfacher Blick auf eine Online-Karte genügt, um zu sehen, dass sich die Haltestellen in beiden Fäl-len am Rande des Stadtteil befinden würden. Die Anbindung der Anwohner*innen im unmittelbarenNahbereich der Achterstraße ist außerdem gering. Für viele Anwohner*innen wird es deshalb mehrSinn ergeben, direkt über den Hauptbahnhof zu fahren. Anwohner*innen am Lehesterdeich z.B.können mit der Linie 4 direkt zum Hauptbahnhof durchfahren und müssen nicht erst noch an derHaltestelle Horn (Horner Kirche) umsteigen (zumal die Frequenz der Buslinien 31 und 21, wie obenkurz erwähnt, für eine nahtlose Anbindung auch hier zu niedrig wäre). Da bei der S-Bahn Haltestel-le Achterstraße Parkplätze sogar wegfallen werden, wird es in diesem Bereich außerdem kaum Möglichkeiten geben, um sein*ihr Auto vor der Zugfahrt abzustellen.

Darüber hinaus wird der Schnellzug, der nur über wenige Stationen direkt nach Hamburg fährt, vor-aussichtlich nicht an der S-Bahn Haltestelle an der Universität anhalten. Das heißt, wenn man – umim Beispiel zu bleiben – vom Lehesterdeich (oder auch von den Stadtteilen Lilienthal oder Borg-feld) nach Hamburg will, man voraussichtlich schneller in Hamburg ist, wenn man mit der Linie 4 über den Hauptbahnhof den Schnellzug nimmt. In diesem Kontext erscheint das Argument einerAnbindung des Stadtteils Horn-Lehe, bzw. anliegender Wohngebiete eher vorgeschoben. Wir gehennicht davon aus, dass die S-Bahn Haltestelle tatsächlich in hohem Umfang vom Stadtteil genutztwürde.

Vor allem steht dem jedoch die Anbindung der pendelnden Student*innen (und den Mitarbeiter*in-nen des gesamten Campus-Geländes) der Universität (und der Unternehmen und wissenschaftlichenInstitute) gegenüber. Für diese wäre die S-Bahn Haltestelle Otto-Hahn Allee ein realer Vorteil, dasich ihre Anreisezeit massiv verkürzen würde. Es wäre ein fauler Kompromiss zwischen Horn-Lehe und Universität, die Achterstraße als Haltestelle zu bevorzugen: die Menschen in Horn-Lehe hätten wenig davon und die Pendler*innen aus umliegenden Gebieten würden gleichzei-tig durch den Umstieg in die Linie 6 mehr belastet. Besser wäre hier ein klares Bekenntnis zur Universität und ihren Student*innen und Mitarbeiter*innen!

Gerade in Zeiten von abnehmenden Student*innenzahlen (sei es durch die Zurückstellung auf G9 inNiedersachsen oder den allgemeinen Trend sinkender Studienanfänger*innen) ist eine unmittelbareAnbindung an die Universität ein nicht zu vernachlässigender Grund, ein Studium in Bremen aufzu-nehmen – vor allem, wenn man noch in Niedersachsen wohnt und in Bremen auf Anhieb keine be-zahlbare Wohnung findet. Der Wissenschafts- und Studienstandort Bremen könnte durch eine echte Anbindung an die Universität gestärkt werden.

3. Schließlich wird als Hauptargument gegen die Otto-Hahn Alle angeführt, dass durch den dortigenBau einer Haltestelle etwa 40 Kleingärten nördlich der Gleise aufgegeben werden müssten. Diesentspricht etwa 1/6 aller Kleingärten (244 Stück) in diesem Gebiet. In der Tat würde ein Wegfalleinen Verlust an Erholungsfläche und zwischenmenschlicher Verbindung bedeuten. So schreibt derKleingärtner[*innen]verein Kornblume (KGV Kornblume e.V.) auf ihrer Homepage Folgendes:

„Kleingärten haben eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Sie verbinden Menschen unab-hängig von Alters-, Herkunfts-, Bildungs- und Einkommensgrenzen. Junge Familien können ihrenKindern hier Verantwortung für die Natur vermitteln. Kleingärten bieten einen in unserer Gesell-schaft selten gewordenen Raum für ein verantwortungsvolles Miteinander. Und zwar auch für dievielen BürgerInnen, die die Gärten als Naherholungsgebiet nutzen.“ (Quelle: http://www.kgv-kornblume.de/index.php)

Sollte sich der Senat also noch für die Otto-Hahn Allee entscheiden, so wäre es mindestens geboten,den Kleingärtner*innen eine entsprechende Ausgleichsfläche anzubieten. Hier sollte gemeinschaft-lich und auf Augenhöhe eine Lösung mit den Kleingärtner*innen gesucht werden, die einerseitsdem vernünftigen Interesse einer Haltestelle an der Otto-Hahn Allee entspricht, andererseits aberauch dem Schutz von Natur- und Erholungsfläche dient.

Man sollte jedoch Naturschutz nicht zum Selbstzweck machen: wir leben in einer Zeit, in der eskaum noch „Natur“ gibt, die vom Menschen – also kulturell – unberührt ist. Naturschutz heißt nicht,„Natur Natur sein zu lassen“, denn die meiste Natur ist bereits durch den Menschen beeinflusst(z.B. die Forst-Wälder in Deutschland). In Zeiten des menschengemachten Klimawandels erfordert Naturschutz gerade aktives Eingreifen durch den Menschen, um Lebens- und Naturräume zu schüt-zen, zu erhalten und weiterzuentwickeln (z.B. weichen Küstenschutz, der mit der Natur arbeitet).

Wir erwarten deshalb von dem Bremischen Senat, dass er sich vor dieser Auseinandersetzung nichtwegduckt und aus Angst vor politisch schwierigen Auseinandersetzungen das vermeintlich kleinereÜbel auswählt. Bisher wurde diese Auseinandersetzung nicht geführt, aber wir können die Klima-krise nur verhindern, wenn wir auf einer sachlichen Grundlage diskutieren und über richtigen Naturschutz reden, der allen hilft. Auch Kleingärten sind keine unberührte Natur, sondern werden aktiv vom Menschen kultiviert. Der Senat kann und muss die Kleingärtner*innen in diesem Anliegen un-terstützen. Er muss aber auch abwägen, was im Wohl der Stadt Bremen ist.

Ein zügig realisierter S-Bahn Haltepunkt an der Uni hätte nach Untersuchungen des Büros für Ver-kehrsökologie (BVÖ) ein massives Fahrgastpotenzial, würde also stark genutzt werden. So könnte es dem BVÖ zufolge an der Haltestelle jährlich zwischen 790.000 und 1.212.000 S-Bahn-Nutzer*innen geben. Wir gehen aufgrund der oben genannten Argumente davon aus, dass dieses Po-tenzial mit der Haltestelle an der Otto-Hahn Allee deutlich besser ausgeschöpft werden könnte.

Ferner sind wir unschlüssig, ob die Frage nach dem Umgang mit dem Kleingärten nicht spätestensdann wieder auftaucht, wenn es um die Verlängerung der Linie 8 Richtung Universität geht oderauch dem möglichen Bau einer entsprechenden Fahrradroute entlang der Kleingärten. Sollte der Se-nat entsprechende Pläne haben, erscheint es daher unvermeidlich, sich ausgiebiger mit den Klein-gärtner*innen auseinanderzusetzen und gemeinschaftlich an einer Lösung zu arbeiten.

Diese Auseinandersetzung darf jedoch in keinem Fall auf Kosten der Universität, den dort ansässi-gen Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten geführt werden! Als AStA der Uni Bremen for-dern wir vielmehr, dass der Senat ein klares Zeichen für die Universität, ihren Mitarbeiter*innenund vor allem ihren Student*innen setzt.

Diesem Anliegen folgt auch der Studierendenrat der Uni Bremen, der sich auf seiner Sitzung vom29. Januar 2020 einstimmig – und aus den oben angeführten Gründen – für die Otto-Hahn Allee ausgesprochen hat.

Wir verlangen, dass die Perspektive der Student*innen der Universität bei einem etwaigen Senats-beschluss mitberücksichtigt wird.

Gerne sind wir in diesem Zusammenhang bereit, mit Ihnen Gespräche aufzunehmen.

Über eine Rückmeldung zu unserer Stellungnahme wären wir Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Der AStA der Uni Bremen

Help for international Students with financial difficulties // Hilfe für internationale Studenten mit finanziellen Problemen

For international students who get into financial difficulties because of the Covid-19 it´s possible to receive support for every day needs and food from the Verein für Innere Mission in Bremen or at the Katholische Hochschulgemeinde (KHG Bremen) during the times of the Corona pandemic.

• In order to avoid groups of people in times of Covid-19, the distribution is only possible after prior contact by e-mail or telephone and appointment. Please make an appointment !

• Please identify yourself with a semester-ticket or similar.


Places of issue:

1. Verein für Innere Mission Bremen, Am Brill 2-4, 28195 Bremen.
contact: Kerstin Petrusch, petruschk@inneremission-bremen.de phone: 0421/98966219
– Am Brill: Daily, upon prior arrangement
– Food assortment

or:

2. Katholische Hochschulgemeinde (KHG), Hohe Str. 7 (Hintereingang), Schnoor, 28195 Bremen.
contact: Martina Rolfes (Pastoralreferentin), hochschulgemeinde@kirchenamt-bremen.de phone: 0421/3694150
– Wednesday afternoon
– Food voucher for the supermarket

//

Internationale Studierende, die durch Covid-19 in eine finanzielle Notlage gekommen sind, können beim Verein für Innere Mission in Bremen oder bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG Bremen) in den Zeiten der Corona-Pandemie Unterstützung für den alltäglichen Bedarf und Lebensmittel bekommen.

➔ Um in Zeiten von Covid-19 Menschengruppen zu vermeiden, erfolgt die Ausgabe nur nach vorheriger Kontaktaufnahme per Mail oder telefonisch und Terminvereinbarung!

➔ Bitte weisen Sie sich vor Ort (mit Semesterticket o.ä.) als Student*in aus!

Ausgabeorte:

1. Verein für Innere Mission Bremen, Am Brill 2-4, 28195 Bremen.
Kontakt: Kerstin Petrusch, petruschk@inneremission-bremen.de phone: 0421/98966219
– Am Brill: Täglich, nach vorheriger Absprache
– Lebensmittel-Sortiment

oder:

2. Katholische Hochschulgemeinde (KHG), Hohe Str. 7 (Hintereingang), Schnoor, 28195 Bremen.
Kontakt: Martina Rolfes (Pastoralreferentin), hochschulgemeinde@kirchenamt-bremen.de phone: 0421/3694150
– Mittwoch nachmittags
– Lebensmittelgutschein für den Supermarkt

Aktualisierte Pressemitteilung „Notfalldarlehenfonds des Bremer Studierendenwerks“ 08.04.2020

Gestern hat der Senat die Aufstockung des Darlehensfonds für Studierende beschlossen. Der Notfallfonds wurde von 50000,00 Euro auf 500000,00 Euro erhöht. Dies übertriftt unsere erste Forderung (1), daher begrüßen wir die Entscheidung sehr. Statt 30, den Höchstsatz beziehenden, Studierenden können nun rund 300 Studierende von dem Fonds des Bremer Studierendenwerks profitieren. Allerdings handelt es sich noch immer um ein Darlehen, das nach 12 Monaten zurückgezahlt werden muss und nicht erlassen wird. Auch wenn der Zeitraum wie gefordert verlängert wurde – Studierende, die sich ihr Studium durch Bafög und andere Darlehen finanzieren müssen, könnte ein erneutes Zurückgreifen auf geliehenes Geld weiter in die Schuldenfalle stürzen. Neben zinslosen Darlehen müssen unbedingt alternative Finanzierungsmöglichkeiten für in Not geratene Studierende in Betracht gezogen werden. Dazu zählen wir insbesondere, dass diese Gelder in besonderen Fällen erst gar nicht zurückgezahlt werden müssen, und im Regelfall maximal anteilig. 

Positiv ist jedoch die Umsetzung der von uns geforderten Änderungen des vereinfachten Nachweises über die finanzielle Notlage, der nun keine Bürgschaft mehr erfordert. “Diese Änderung kommt insbesondere den Internationalen Studierenden “zu Gute”, sofern man in der Aufnahme eines Darlehens mehr sieht, als nur eine Verschiebung eines Belastungsanteils und die Möglichkeit weniger als das Allernötigste finanzieren zu können.” bewertet Finn Schale vom Asta diese Änderungen. Auch wird für die Zeit vor dem 01. April keine vergleichbare vorübergehende Entlastung geschaffen. 

Bei Unklarheiten oder Fragen könnt ihr euch gerne an den AStA wenden!

Betroffene Bremer Studierende können nun rückwirkend zum 1.April für bis zu drei Monate ein zinsfreies Darlehen von bis zu 550,00 Euro beantragen. 

Kontakt:  

• eMail: vorstand@asta.uni-bremen.de  

• Telefon: (0421) 218-69739

Press release “Emergency Fund of the Studierendenwerk Bremen” 04/08/2020

 Yesterday the Senate decided to increase the student loan fund.  The emergency fund was increased from EUR 50,000.00 to EUR 500,000.00.  This suppresses  our first demand (1), so we are very welcoming this decision.  Instead of 30 students receiving the maximum rate fund , around 300 students can now benefit from the funds of the Studierendenwerk Bremen. However, it is still a loan which has to be repaid after 12 months and will not just been waived. Even if the period has been extended as demanded  – students who have to finance their studies with a student loan and other loans could fall back into the debt trap, if they resorted to borrowed money.  In addition to interest-free loans, alternative financing options for students in need must be considered.  Especially, we  include the fact that in special cases funds shouldn’t have to be repaid at all, or at least just a maximum percentage of the fund. 

 However, the implementation of the changes we have demanded  to the simplified proof of the financial emergency, which now no longer  requires a pledge is positive.  “This change will particularly „benefit“ the international students, provided that you see more in the taking out of a loan than just a shift in a share of the burden and the possibility of being able to finance less than the bare minimum.”  Finn Schale from Asta rates the changes. No comparable temporary relief will be created for the period before April 1st.

 Affected students in Bremen can now apply for an interest-free loan of up to EUR 550.00 for up to three months retrospectively from April 1st.

 Contact:

 • Email: vorstand@asta.uni-bremen.de

 • Telephone: (0421) 218-69739Anni, [08.04.2020, 16:47:49]:

(1) https://www.asta.uni-bremen.de/notfalldarlehensfonds-bremer-studierendenwerk/